Patriarch Youssef und Erzbischof Yaser beim Jahrestreffen in Aachen

Der Patriarchalische Orden vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem traf sich vom 11. bis 13. September 2026 in Aachen zu seinem Jahrestreffen mit Investitur. Eine besondere Freude und große Ehre war die Teilnahme unseres Großmeisters, S.S. Patriarch Youssef. Nach drei Jahren konnte er die Mitglieder des Ordens wieder persönlich in Aachen begrüßen. In seinen Begrüßungsworten betonte der Patriarch, dass die Ordensgeschwister stets in seinen Gedanken und Gebeten seien. Zugleich dankte er dem Statthalter Thomas Dautzenberg für seine unermüdliche Arbeit und die erfolgreiche Entwicklung und das Wachstum des Ordens in Deutschland. Er freue sich, wieder in Aachen zu sein, und werde gerne wiederkommen.

Auch Großprior, Jerusalems Erzbischof Yaser Ayyash, war wieder beim Jahrestreffen dabei. Seine Anwesenheit und sein Wirken gaben dem Treffen erneut eine besondere Verbindung zu den Christen im Heiligen Land und zu den Ursprungsländern des Christentums.

In der Generalversammlung fand die turnusgemäße Wahl des Vorstands statt. Der bisherige Vorstand wurde bestätigt. Unser Großmeister Patriarch Youssef bestimmte weiterhin Thomas Dautzenberg zum Statthalter und Großarchimandrit mitr. Prof. Dr. Michael Schneider zum Prior. Neu in den Vorstand aufgenommen wurden Irene Scigala als Sekretärin sowie Tobias Scigala als zusätzlicher Statthalterbeirat. Der Patriarch dankte den Vorstandsmitgliedern für ihre engagierte Arbeit und gratulierte den neuen Vorstandsmitgliedern zu ihren Aufgaben.

Für Patriarch Youssef ist das Wirken des Patriarchalischen Ordens gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung. Die Arbeit des Ordens sei ein Zeichen der Hoffnung in schwierigen Zeiten in den Ursprungsländern des Christentums. Diese Hoffnung durch konkrete Hilfe und gelebte Verbundenheit sichtbar zu machen, ist eine der wesentlichen Aufgaben des Ordens.

Am Freitagabend berichtete Patriarch Youssef über die aktuelle Lage in Syrien und im Libanon. Dabei wurde erneut deutlich, wie schwierig die Situation für die Menschen und insbesondere für die christlichen Gemeinschaften ist. Die Entwicklungen in der Region machen die Unterstützung der dort lebenden Christen und den Erhalt ihrer kirchlichen und gesellschaftlichen Strukturen weiterhin dringend notwendig.

Ein besonderer Moment des diesjährigen Treffens war die Neuaufnahme von Pfarrer emeritus Paul Berbers. Mit seiner Aufnahme wird die Gemeinschaft um einen langjährigen Wegbegleiter und Kenner der byzantinischen Liturgie bereichert.

Am Samstagabend berichtete Großprior Erzbischof Yaser Ayyash über die Situation im Heiligen Land und die dortigen Projekte des Ordens. Der Orden möchte dazu beitragen, dass die christliche Präsenz im Heiligen Land auch unter schwierigen Bedingungen erhalten bleibt und eine Zukunft hat.

Am Samstag wurde im Hohen Dom zu Aachen die Göttliche Liturgie zum Fest der Kreuzerhöhung gefeiert. Besonders erfreulich war die Anwesenheit von Dompropst Rolf-Peter Cremer. Die byzantinische Liturgie, die von unserem Großmeister Patriarch Youssef Absi zelebriert wurde, machte die Verbundenheit von Ost- und Westkirche in besonderer Weise sichtbar.

In seiner Predigt stellte Patriarch Youssef die zentrale Bedeutung des Kreuzes für den christlichen Glauben heraus. Das Kreuz sei nicht nur ein Zeichen des Leidens, sondern durch Christus zum Zeichen des Lebens und der Hoffnung geworden. Zugleich schlug er den Bogen zur Berufung des Patriarchalischen Ordens. Die Mitglieder seien dazu berufen, durch religiöse, kulturelle und soziale Werke die Präsenz der melkitischen Christen im Heiligen Land zu tragen, zu stützen und sichtbar zu machen.

Besonders eindrucksvoll war seine Würdigung der oft im Hintergrund geleisteten Arbeit der Ordensmitglieder. Die Unterstützung von Schulen, Pfarreien sowie karitativen und sozialen Einrichtungen sei ein über Jahre gewachsenes und wertvolles Werk. In einer von Unsicherheit geprägten Region könne leicht die Frage entstehen, ob eine solche geduldige und unspektakuläre Arbeit überhaupt noch Bedeutung habe. Patriarch Youssef gab darauf eine klare Antwort: „Lass dich nicht entmutigen. Setze dein Tun fort. Es wird geschätzt, es wird gebraucht, und es trägt mehr Frucht, als du von deinem Standpunkt aus erkennen kannst.“

Diese Worte sind Ermutigung und Auftrag für die Arbeit des Ordens in Deutschland.

Am Sonntag führte uns die Liturgie in die Pfarrkirche St. Fronleichnam. Hier wurden die Mitglieder des Ordens von Vertretern der örtlichen Pfarrei herzlich willkommen geheißen. Die Kirche des berühmten Architekten Rudolf Schwarz zählt zu den Schlüsselprojekten des modernen Kirchenbaus in Deutschland. Die Schönheit und der Reichtum des katholischen Glaubens wurden den Gottesdienstbesuchern auch in dieser byzantinischen Liturgie eindrucksvoll vermittelt.

Eine besondere Freude und zugleich eine Stärkung für die Zukunft der Gemeinschaft war die Weihe unseres Ordensbruders Norbert Nikolaus Geißler zum Diakon. Großprior Erzbischof Yaser Ayyash nahm die Weihe am Sonntag vor. Der neue Diakon wird künftig bei den Liturgien des Patriarchalischen Ordens seinen Dienst tun.

Auch Erzbischof Yaser Ayyash stellte in seiner Predigt das Kreuz in den Mittelpunkt und schlug zugleich den Bogen zu unserer Gegenwart. Wir leben in einer Zeit vieler Konflikte und Kriege, in der menschliche Werte und Prinzipien zunehmend unter Druck geraten. Das Kreuz zu tragen, bedeute dabei nicht, den Schmerz zu suchen oder zu verherrlichen, sondern sich bewusst für ein Leben in Beziehung zu Gott und für den Weg der Nachfolge zu entscheiden.

Besonders eindringlich waren seine Worte angesichts der aktuellen Situation im Nahen Osten: In einer Welt von Gewalt, Krieg, Vertreibung, Entbehrung und Verletzungen von Freiheit und Menschenrechten werde das Tragen des Kreuzes immer mehr zur Wirklichkeit. In einer Welt voller Spaltung und Egoismus bedeute dies auch ganz einfach, Mensch zu bleiben, das Herz als Quelle des Guten zu bewahren und Hass und Groll keinen Raum zu geben.

Damit verband Erzbischof Yaser die Botschaft des Kreuzes unmittelbar mit dem Auftrag der Christen in unserer Zeit. Gerade angesichts der bedrängenden Situation vieler Christen im Nahen Osten sind diese Worte auch eine Ermutigung, den Glauben, die Hoffnung und die Verbundenheit nicht aufzugeben.

Das Jahrestreffen in Aachen hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig die persönliche Begegnung innerhalb des Ordens und die unmittelbare Verbindung zu unseren kirchlichen Partnern im Nahen Osten sind. Die Wiederbegegnung mit Patriarch Youssef nach drei Jahren, die Anwesenheit unseres Großpriors Erzbischof Yaser Ayyash, die Aufnahme von Pfarrer emeritus Paul Berbers und insbesondere die Diakonenweihe von Norbert Nikolaus Geißler waren besondere Höhepunkte dieser Tage.

Das Leitwort „Phos kai Zoe – Licht und Leben“, das auf den Insignien des Ordens steht, wurde dabei in besonderer Weise lebendig. Gerade in schwierigen Zeiten will der Patriarchalische Orden ein Zeichen der Hoffnung sein und durch Gebet, persönliche Verbundenheit und konkrete Hilfe dazu beitragen, dass die christliche Präsenz in den Ursprungsländern unseres Glaubens erhalten bleibt.

Das Jahrestreffen war damit nicht nur ein Wiedersehen der Ordensgemeinschaft, sondern zugleich eine Ermutigung, den gemeinsamen Weg engagiert fortzusetzen – im Dienst an den Menschen, an der Kirche und an der christlichen Präsenz im Heiligen Land, in Syrien und im Libanon.

Verfasst von Thomas Dautzenberg am 20.09.2026

 

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Hochfest Kreuzerhöhung

Der Patriarchalische Orden feiert das Hochfest Kreuzerhöhung jedes Jahr am Investiturwochenende. Mit dem festlichen Läuten des Hymnus Kreuzerhöhung der melkitischen Kathedrale in Jerusalem verbinden wir unser Gebet für die Menschen in den Ursprungsländern des Christentums.